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ViV Laboratory

Koichiro Akimoto. Diesen Namen sollten Sie sich merken. Gut möglich, dass man er dereinst als der Martin Luther, Zwingli oder Calvin der Tonarmlehre in die Geschichte eingehen wird.

Der Gründer, Inhaber und Chefentwickler von ViV Laboratories aus Kamakura in der japanischen Präfektur Kanagawa hat die Konstruktion von Tonarmen ganz grundsätzlich analysiert. Und dann seine Schlüsse gezogen. Und einen Tonarm gebaut, der so eigentlich nicht funktionieren dürfte, es aber trotzdem tut. Und wie!



Tonarm «Rigid Float»

Seit Jahrzehnten wissen wir, dass ein Drehtonarm gekröpft sein muss, damit er auf seiner Kreisbahn über die Plattenoberfläche den Tonabnehmer an zwei Stellen (den sogenannten Nulldurchgängen) genau rechtwinklig zur Rille positioniert. Wo genau und wie weit auseinander diese beiden Nulldurchgänge liegen, ist Gegenstand intensiver Debatten und mehr oder weniger genormt.

Ebenfalls klar ist, dass die Wölbung der Kreisbahn in einem direkten Zusammenhang mit der Länge des Tonarms steht: Je kürzer der Arm, desto stärker die Wölbung. Deshalb verursacht ein langer Tonarm prinzipiell weniger Verzerrungen als ein kurzer.

Nun führt aber die für zwei Nulldurchgänge notwendige Kröpfung zwangsläufig dazu, dass beim Abtasten der LP eine Kraft («Skating») entsteht, welche den Tonarm zur Plattenmitte hin zieht und damit einseitige Verzerrungen erzeugt. Je kürzer der Tonarm, desto grösser die Kröpfung und desto grösser demzufolge diese Skatingkraft. Zu deren Kompensation verfügen deshalb praktisch alle Drehtonarme über eine Antiskating-Vorrichtung. Diese zieht den Tonarm an seinem Drehpunkt nach aussen. Damit das funktionieren kann, muss besagter Drehpunkt unverrückbar sein – der Tonarm braucht also ein festes und zugleich bewegliches Lager. In der Regel werden entweder kardanische Kugellager oder Einpunktlager verwendet.

So weit, so gut. Den Stand der Technik kennen wir; er definiert ziemlich genau, wie ein Tonarm auszusehen hat. Und jetzt dies:

viv_float_gross.jpg


Auf einen Blick wird klar, dass sich der «Rigid Float» von ViV Laboratory einen Deut um diese Lehrmeinung schert. Denn:
  • Er ist kurz.
  • Er ist kerzengerade.
  • Er hat keine Antiskating-Einrichtung.
  • Er hat kein Lager im herkömmlichen Sinne.
  • Er steht neben dem Laufwerk.

Koichiro Akimoto stellt sich nämlich auf den Standpunkt, dass die Skatingkraft und die prinzipbedingt unzulängliche Antiskating-Einrichtung dem Klang höchst abträglich sind, da sie den Abtastdiamanten in der Rille hin- und herzerren. Ein kerzengerader Tonarm verursacht zwar geringfügig grössere Spurfehlwinkelverzerrungen. Doch diese wirken sich – wie figura beweist – weniger negativ auf den Klang aus als die Skatingkraft.

Koichiro Akimoto hat zwar nicht das Rad neu erfunden, sehr wohl aber das Tonarmlager. Es besteht nämlich aus zwei ineinander liegenden Schalen. Zwischen diesen beiden Schalen befindet sich eine Schicht Öl. Und dieses Öl hat es in sich – buchstäblich. Es ist nämlich magnetisch und hält so die beiden Schalen zusammen, ohne dass sich diese berühren. Wo keine Berührung stattfindet, können auch keine Vibrationen übertragen werden. Also weder vom Arm aufs Laufwerk noch umgekehrt. (Was ihn wohl zu diesem innovativen Lagerkonzept inspiriert hat? Nun … Sein Wohnort Kamakura bedeutet auf Deutsch «Sichellager». Manchmal vermitteln Ortstafeln ganz brauchbare Ideen…)

So einfach ist das. Man muss nur darauf kommen. Und dann in der Lage sein, die einfach geniale Idee so genial einfach umsetzen wie Koichiro Akimoto.

Wir waren zunächst auch skeptisch. Sehr skeptisch sogar. Doch schon die ersten Takte der ersten LP machen klar: Es tönt genau so, wie es tönen muss. Vor allem aber direkter, homogener, natürlicher und ganzheitlicher als jeder andere Tonarm, den wir bislang gehört hatten. Und plötzlich verstehen wir, was Uwe Kirbach in der Image HiFi 4/2012 meint, wenn er im Test des «Rigid Float» schreibt: «Wenn man jahrzehntelang von klanglich und musikalisch relevanten Verbesserungen berichtet hat (…), ist es gar nicht so leicht, einen derartigen Qualitätssprung richtig gewichtet zu vermitteln» und dann im folgenden Heft das klipp und klare Fazit zieht: «Einen ähnlich überragenden und kompatiblen Einzeldrehtonarm kenne ich nicht.»

Dem haben wir nichts hinzuzufügen. (Ausser vielleicht, dass es den «Rigid Float» in drei Längen gibt (7, 9 und 13 Zoll), dass er über eine abnehmbare Headshell mit SME-Anschluss verfügt, dass er das ganze Gefummel mit Tonarmeinstelllehren überflüssig macht, dass er sich innert Minuten neben jedem Laufwerk installieren lässt – und dass es sich lohnt, den zweiteiligen Testbericht von Uwe Kirbach zu lesen, weil er eine aussergewöhnlich präzise Beschreibung der Funktion des «Rigid Float» gibt.)

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