Albarry Music

Briten, insbesondere Engländer, sind bekannt für ihre Traditionen und für ihre Marotten. Neil Burnett von Albarry Music ist in vielerlei Hinsicht ein sehr typischer Brite. Das gilt auch für seine Produkte.


Grossbritannien fristet schon seit vielen tausend Jahren ein Inseldasein. Das fördert natürlich das Entstehen von Traditionen und Marotten – und erleichtert das Festhalten an selbigen. Ein gutes Beispiel dafür ist Albarry Music. Schon allein der Name ist eine Geschichte für sich: In den 1970er-Jahren führten Albert Henshaw und Barry Wood das wohl beste HiFi-Geschäft Englands (es hiess «Bespoke Audio», frei übersetzt «Audio nach Mass», aber das tut nichts zur Sache). Für ihre Ausstellungen verwendeten sie einen Zusammenzug ihrer Vornamen; aus Albert und Barry wurde Albarry. Neil Burnett gefiel dieser Name so gut, dass er anno 1979 um die Erlaubnis bat (und diese auch erhielt), seine Produkte «Albarry Music» nennen zu dürfen. Von dieser Tradition ist Neil Burnett seither kein Inch abgewichen – ebenso wenig wie vom roten Acryl, das sich wie der buchstäbliche rote Faden durch die Design-Historie von Burnetts Gerätschaften zieht. Vor über 30 Jahren war rotes Acryl ein flagranter Bruch mit allen Traditionen, wie Verstärker auszusehen hatten. Heute ist es zumindest eigenartig, für manche (kontinentaleuropäsische) Augen fast schon spleenig. Und auch den goldfarbenen Schriftzug verorten wir in der Grauzone zwischen Spleen und Tradition.



Wobei – man stelle sich vor, wie sich einer der folgenden, zweifelsohne moderneren Logos auf dem roten Acryl machen würde – und schon ist man froh um Neil Burnetts Traditionsbewusstsein.



«Buy british» hiess eine Kampagne der britischen Regierung in der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre. Und auch in unserer durch und durch globalisierten Welt hält Neil Burnett an dieser Tradition fest. So bezieht er die Bestandteile seiner Verstärker wenn immer möglich von einheimischen Herstellern. Also weder Günstig-Transformatoren aus Indien noch Billig-Kondensatoren aus China. Sondern Wertarbeit aus Grossbritannien. Und selbstverständlich werden seine Geräte nicht durch Roboter an einem Fliessband montiert. Sondern durch Neil Burnett, Stück für Stück und von Hand. Und traditionell hört er sich vor der Auslieferung auch jeden einzelnen Vorvor-, Vor- und Verstärker persönlich an. So gesehen ist es nicht verwunderlich, dass Neil Burnett zwar fleissig Verstärker baut, aber kaum mal einen wiedersieht...

Wir empfinden die Albarrys als in bester britischer Tradition ausgesprochen musikalische und angenehme Verstärker. Sie gehen unaufgeregt zu Werke, bleiben auch bei komplexer Musik gelassen und überzeugen sowohl durch ihre Klangfarben als auch in Sachen Raumabbildung, Timing, Fein- oder Grobdynamik. Tonale Spleens sind uns bislang noch keine aufgefallen – ausser dass man die Vor- und Endstufen tunlichst nicht ausschalten sollte; sie verbrauchen im Ruhezustand praktisch keinen Strom, tönen aber in den ersten 24 Stunden nach dem Einschalten noch nicht optimal. Das Preis-/Leistungsverhältnis der Albarrys ist traditionell britisch: Auf den ersten Blick sind sie kein Sonderangebot – nach dem ersten Anhören allerdings schon.



Phono Vorvorverstärker MCA11



Moving Coil-Tonabnehmer erzeugen Spannungen von einigen Hundert Mikrovolt, also weniger als ein Tausendstel Volt. Diese überaus delikaten Signale gilt so zu verstärken, dass sie von einer normalen MM-Phonostufe verarbeitet werden können. Das ist alles andere als einfach.Denn bei 30 dB Verstärkung wird auch jedes Störsignal um den gleichen Betrag vergrössert. Um ja keine Störungen aus dem Stomnetz mit zu verstärken, verwendet Burnett bei seinem MCA11 deshalb eine 9-Volt-Batterie. Wenn nach ungefähr 120 LPs die LED hinter der roten Acrylfront erlischt, ist es Zeit, eine neue Batterie einzusetzen. Diese gibt dem MCA11 wieder Saft und Kraft für höchst musikalischen, rausch- und brummfreien Vinylgenuss. (Um das Beste aus Ihrem MC-System herauszuholen, lässt sich der Abschlusswiderstand des MCA11 übrigens zwischen 25, 50 und 100 Ohm umschalten. Neil Burnett erachtet diese drei Stufen als völlig ausreichend und die Diskussion über andere Werte als akademisch. Als Hersteller muss er es wissen, also schliessen wir uns seiner Meinung an.)

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Vorverstärker AP11


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Der AP11 ist ein richtig traditioneller Vorverstärker. Er sieht zwar nicht nach viel aus, hat es aber wirklich in sich. Zum Beispiel serienmässig einen hochwertigen, sehr gut klingenden Phonoeingang für MM- und High-Output-MC-Tonabnehmer. Erwähnenswert ist auch der praxisgerecht niedrigere Verstärkungsfaktor des CD-Eingangs – so ist auch bei Digitalquellen die Lautstärkeregelung über einen sehr grossen Bereich fein einstellbar. Der AP11 ist also keine dieser Line-Stufen, bei der die Polizei schon vor der Türe steht, wenn das Lautstärkepoti auf 9 Uhr zeigt.

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Endverstärker M608 und M1108

albarry_m608.jpgAuf dem Papier (und auch optisch) wirken die beiden Albarry-Monoblöcke mit ihren 60 (M608) respektive 110 Watt (M1108) an acht Ohm nicht gerade wie Kraftprotze. Doch der Schein trügt. Denn wenn es die Aufnahme erfordert, gehen sie auch bei Orgel-Tiefbassorgien, Kesselpaukengewitter oder massivsten Orchestereinsätzen nicht in die Knie. Schon die «kleine» M608 verfügt über ein Netzteil, das bei Bedarf über 1000 Watt Impulsleistung freisetzt. Das treibt mit Sicherheit auch die wirkungsschwächsten Lautsprecher zu klanglichen Höchstleistungen. Apropos Sicherheit: Die geht bei den Albarry-Monoblöcken nicht zu Lasten des Klangs. Sie haben nämlich keine klangschädigenden Schmelzsicherungen im Ausgang. Sondern eine optisch gekoppelte Schutzschaltung, die nicht im Signalweg liegt und trotzdem den Verstärker zuverlässig abschaltet.

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